COVID UND POST COVID

Was ist COVID-19?

Das Coronavirus SARS-CoV-2 hat seit 2019 die medizinische Versorgung weltweit nachhaltig beeinflusst. Während viele Menschen die akute Infektion ohne gravierende Folgen überstehen, leiden manche auch Monate nach überstandener Erkrankung weiterhin unter Beschwerden – ein Zustand, der als Long-COVID oder Post-COVID-Syndrom bezeichnet wird.

COVID-19 ist eine durch das SARS-CoV-2-Virus ausgelöste Erkrankung, die vorwiegend die Atemwege befällt. Der akute Verlauf kann von einem milden Infekt bis hin zu einer schweren Lungenentzündung reichen. Besonders in schweren Fällen kann es zu einer ausgeprägten Entzündung des Lungengewebes und zu Komplikationen wie akutem Atemnotsyndrom (ARDS) kommen.

Was versteht man unter Long-COVID bzw. Post-COVID?

Man spricht von Long-COVID, wenn Symptome länger als vier Wochen nach der akuten Infektion fortbestehen, und von Post-COVID-Syndrom, wenn Beschwerden über mehr als drei Monate persistieren und nicht anders erklärbar sind. Diese langanhaltenden Beschwerden können verschiedene Organsysteme betreffen – am häufigsten jedoch den Alltag und die Lebensqualität durch Atem- und Erschöpfungsprobleme beeinträchtigen.

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Symptome von Post-COVID

Die Beschwerden nach einer COVID-Infektion können sehr vielfältig sein und sich in Intensität und Dauer unterscheiden. Besonders häufig berichten Betroffene über:

Atemwegsbezogene Beschwerden

  • Anhaltende Atemnot bei Belastung oder in Ruhe
  • Husten und Engegefühl in der Brust
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Schnellere Erschöpfung
    Diese Symptome können auch ohne strukturelle Veränderungen der Lunge auftreten und werden oft durch eine Kombination aus Atemmusterstörungen, muskulärer Schwäche oder gestörter Diffusionskapazität erklärt.

Allgemeine Beschwerden

  • Fatigue (chronische Erschöpfung)
  • Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme („Brainfog“)
  • Schlafstörungen
  • Muskelschmerzen und Gelenkbeschwerden
  • Stimmungsschwankungen, Angst oder depressive Symptome

Wichtig: Long-COVID kann auch andere Organsysteme betreffen – von neurologischen Symptomen bis zu Herz- oder Kreislaufproblemen. Eine genaue Abklärung ist daher für jede Patientin/jeden Patienten individuell notwendig.

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Wie wird Long-COVID diagnostiziert?

Die Diagnose stützt sich auf eine ausführliche Anamnese, klinische Untersuchung und gezielte Funktions- und Bildgebungstests. Dazu gehören unter anderem:

  • Lungenfunktionstests einschließlich Diffusionsmessung
  • CT- oder Röntgenaufnahmen der Lunge
  • Belastungstests zur Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Ausschluss anderer möglicher Ursachen für die Beschwerden

Da es keinen einfachen Labor- oder Schnelltest für Long-COVID gibt, ist eine sorgfältige Differentialdiagnose essenziell, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Therapie und Behandlungsmöglichkeiten

Eine spezifische, für alle Betroffenen geeignete Therapie für Long-COVID existiert derzeit nicht. Die Behandlung richtet sich vielmehr nach den individuellen Symptomen und Beschwerden.

Symptomorientierte Therapie

  • Atemphysiotherapie und Rehabilitation zur Verbesserung der Atemmechanik und Belastbarkeit
  • Schmerz- und Erschöpfungstherapie
  • Anleitung zu Pacing und coping-Strategien zur Schonung und schrittweisen Belastungssteigerung

Multidisziplinärer Ansatz

Viele Patientinnen und Patienten profitieren von einer Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen – etwa Pneumologie, Kardiologie, Neurologie oder Psychosomatik – um die komplexen Beschwerden umfassend zu behandeln.

Unterstützung im Alltag

Regelmäßige Nachsorge, Aktivierungstherapie und gegebenenfalls rehabilitative Maßnahmen helfen dabei, verlorene Leistungsfähigkeit zurückzugewinnen und den Alltag besser zu bewältigen.

Wann sollte ärztliche Hilfe gesucht werden?

Unabhängig von bekanntem Post-COVID sollte bei neu auftretender oder anhaltender Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, blutigem Husten, deutlicher Leistungsabfall oder starker Erschöpfung unbedingt eine zeitnahe ärztliche Abklärung erfolgen.

Fazit

COVID-19 kann über die akute Phase hinaus langanhaltende Beschwerden verursachen, die individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Eine frühzeitige Abklärung, passende Funktionsdiagnostik und eine individuell abgestimmte Therapie tragen dazu bei, gesundheitliche Folgen zu lindern und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Als Lungenfachärztin begleite ich Sie kompetent und einfühlsam auf diesem Weg.

Checkliste für Patientinnen und Patienten mit COVID-Folgen

Wenn Sie nach einer COVID-19-Infektion weiterhin Beschwerden haben, kann eine strukturierte Vorbereitung auf den Arzttermin helfen. Die folgende Checkliste unterstützt Sie dabei, Ihre Symptome besser einzuordnen und gezielt abzuklären.

Typische Beschwerden – bitte ankreuzen oder notieren

☐ Atemnot bei Belastung oder in Ruhe
☐ Anhaltender Husten
☐ Engegefühl oder Schmerzen im Brustkorb
☐ Schnelle Erschöpfbarkeit / Fatigue
☐ Verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
☐ Konzentrations- oder Gedächtnisprobleme („Brain Fog“)
☐ Schlafstörungen
☐ Muskelschmerzen oder Gelenkbeschwerden
☐ Herzklopfen oder Schwindel
☐ Sonstige Beschwerden: _______________________

Wichtige Fragen zur Vorgeschichte

  • Wann war die akute COVID-19-Infektion?
  • Wie schwer war der Verlauf (mild, stationär, intensivpflichtig)?
  • Gab es bereits vor COVID Lungenerkrankungen (z. B. Asthma, COPD)?
  • Haben sich die Beschwerden seit der Infektion gebessert, verschlechtert oder sind sie gleich geblieben?
  • Gab es zwischenzeitlich Phasen vollständiger Beschwerdefreiheit?

Aktuelle Medikation

Bitte bringen Sie eine Liste aller derzeit eingenommenen Medikamente mit – inklusive Inhalationsmedikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Bedarfsmedikation.

Ziel des Arztbesuchs

☐ Abklärung anhaltender Atembeschwerden
☐ Einschätzung der Lungenfunktion
☐ Therapie- und Rehabilitationsberatung
☐ Unterstützung im Umgang mit Fatigue
☐ Weitere Diagnostik / Zweitmeinung

Eine gute Vorbereitung erleichtert die gezielte Diagnostik und hilft, gemeinsam einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.

Häufige Fragen zu COVID und Post-COVID

Was ist der Unterschied zwischen Long-COVID und Post-COVID?

Von Long-COVID spricht man, wenn Beschwerden länger als vier Wochen nach der akuten Infektion bestehen. Halten Symptome länger als drei Monate an und lassen sich nicht anderweitig erklären, wird dies als Post-COVID-Syndrombezeichnet.

Kann Post-COVID auch nach einem milden Krankheitsverlauf auftreten?

Ja. Post-COVID kann unabhängig vom Schweregrad der akuten Infektion auftreten – auch bei jungen, zuvor gesunden Menschen und nach milden oder sogar asymptomatischen Verläufen.

Sind die Beschwerden „eingebildet“, wenn Untersuchungen unauffällig sind?

Nein. Viele Post-COVID-Symptome entstehen durch funktionelle Veränderungen, z. B. der Atemregulation oder der Belastungsverarbeitung, und sind nicht immer in Standarduntersuchungen sichtbar. Die Beschwerden sind real und ernst zu nehmen.

Wie lange dauern Post-COVID-Beschwerden?

Die Dauer ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Patientinnen und Patienten erholen sich innerhalb weniger Monate, andere benötigen längere Zeit und gezielte Unterstützung. Eine frühzeitige Abklärung kann den Verlauf positiv beeinflussen.

Kann sich die Lunge dauerhaft erholen?

In vielen Fällen ist eine deutliche Besserung möglich. Auch nach schweren Verläufen kann sich die Lungenfunktion im Verlauf regenerieren. Entscheidend sind regelmäßige Kontrollen, angepasste Therapie und – wenn nötig – pneumologische Rehabilitation.

Gibt es Medikamente gegen Post-COVID?

Derzeit gibt es keine einheitliche medikamentöse Standardtherapie. Die Behandlung erfolgt individuell und symptomorientiert, z. B. mit inhalativen Therapien, Atemphysiotherapie oder unterstützenden Maßnahmen bei Fatigue.

Was kann ich selbst tun?

  • Überlastung vermeiden und Belastung langsam steigern („Pacing“)
  • Auf ausreichende Erholung und Schlaf achten
  • Atemübungen und leichte Bewegung in den Alltag integrieren
  • Symptome ernst nehmen und ärztlich begleiten lassen

Wann sollte ich unbedingt eine Lungenfachärztin aufsuchen?

Bei anhaltender oder zunehmender Atemnot, deutlichem Leistungsabfall, Brustschmerzen, neuem Husten oder Unsicherheit bezüglich der Beschwerden ist eine fachärztliche Abklärung empfehlenswert.

Wann sollten Sie unsere Ordination aufsuchen?

Bitte vereinbaren Sie einen Termin in unserer Ordination, wenn nach einer COVID-19-Infektion Beschwerden länger als vier Wochen anhalten oder neu auftreten – insbesondere bei:

  • anhaltender oder zunehmender Atemnot
  • eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit
  • chronischem Husten oder Engegefühl im Brustkorb
  • ausgeprägter Erschöpfung (Fatigue) trotz ausreichender Ruhe
  • Leistungsabfall im Alltag oder Beruf
  • Unsicherheit über mögliche Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung

Auch wenn bisherige Untersuchungen unauffällig waren oder die Beschwerden als „nicht erklärbar“ erschienen, ist eine fachärztliche pneumologische Abklärung sinnvoll. Ziel ist es, mögliche Lungenveränderungen zu erkennen, funktionelle Einschränkungen zu beurteilen und gemeinsam einen individuellen Behandlungs- und Begleitplan zu erstellen.

Eine frühzeitige Abklärung kann helfen, den Verlauf positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.